Literaturmagazin »Krachkultur 18« jetzt im Kunst- und Textwerk erhältlich!

» KrachKultur ist ein Leuchtfeuer unter den literarischen Zeitschriften.«
ANDREAS PLATTHAUS, »FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG«

Die neue Ausgabe von »Deutschlands frechster Literaturzeitschrift« (CICERO) widmet sich dem Thema »NATUR«. Klarer Fall: Alles, was schützenswert ist, kann Thema der KRACHKULTUR werden.

Mit von der »grünen« Partie ist James Dickey (1923–1997), der mit »Deliverance« (»Flussfahrt«) einen der wichtigsten amerikanischen Romane überhaupt schrieb (verfilmt mit John Voight und Burt Reynolds unter dem Titel »Beim Sterben ist jeder der Erste«). Dass er auch ein begnadeter Natur-Lyriker war, ist hierzulande kaum bekannt. Das soll sich nun ändern: Christophe Fricker hat wundervolle Natur Gedichte des Großmeisters behutsam ins Deutsche übertragen.

Der preisgekrönte New Yorker Lyriker Joshua Mehigan (*1969) bekam eines Tages unvermittelt einen Anruf von »Apollo«. Hinter diesem selbstgewählten Kosenamen steckte James Dickey höchstpersönlich (Mehigan hatte ihm zuvor einen bewundernden Brief geschrieben), der seinem jungen Verehrer energisch einbimste, wer der größte Dichter auf Erden sei: Dickey himself, versteht sich. Von diesem Erlebnis der besonderen Art handelt der Essay »Apollos Anruf«.

Eine große Überraschung verzückte die literarische Welt im letzten Jahr, als es  Eva Schmidt (*1952) auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte. Nach beinahe zwanzig Jahren literarischer Funkstille (kein eigenständiges Werk) hatte sie den spektakulär ruhigen Roman »Ein langes Jahr« vorgelegt. KRACHKULTUR sympathisiert seit Ausgabe 9/2001 mit der Autorin. In der aktuellen Nummer brilliert  Eva Schmidt, die übrigens früher einmal neben Jörg Fauser und Thomas Strittmatter beim Bachmann-Wettbewerb auftrat, mit der kurzen, in Sils-Maria-Farbe getauchten Erzählung »Christina«.

Thomas Palzer (*1956), der laut Helmut Krausser »den Beweis dafür« liefert, »dass Münchner Literatur führend ist«, vermag auch philosophisch aufzutrumpfen. Sein Essay »Natur, Materie, Körper« behandelt die Natur des Körpers und die Körperlichkeit der Natur in aphoristisch geschliffenen Bruchstücken, die  sich im Akt der Lektüre zu einem facettenreichen Ganzen fügen.

Quasi als Nachklapp zum 50. Todestag von Heimito von Doderer (1896–1966) präsentiert die KRACHKULTUR einen weiteren Nachlassfund des großen österreichischen Romanciers (siehe auch Nr. 11/2007). Die Natur-Skizzen, die aus einem bislang verschollen geglaubten Notizbuch des Autors stammen, legen Zeugnis ab von einem großen Welt- und Naturvertrauen sowie auch von dem Glauben daran, Eindrücke naturgetreu wiedergeben zu können, dass man heute neidisch sein könnte. So zeigt sich der junge Dichter einmal tatsächlich erstaunt, »dass alles dieses [Wälder, Hügel, Bäume, Fernblicke, Stadt] in der äusseren Wirklickeit sich dauernd in einem Zustande befindet, der schon nahe an’s geschlossene Gedicht grenzt«.

Einer der größten Verehrer Doderers unter den bedeutenden deutschen Gegenwartsautoren ist Martin Mosebach (*1951). Ihn in der KRACHKULTUR zu haben ist ein langgehegter Wunsch der Redaktion. Mit dem Thema der aktuellen Ausgabe hat es endlich geklappt: Der Büchner-Preisträger steuert aufregende »Tunnel-Gedichte« bei, in denen er den natürlichen Menschen-Trieb zum Tunnel-Bau hymnisch besingt.

Schon als Figur Kult ist Ulrich Holbein (*1953). Sein Markenzeichen: kauziges und waldschratiges Auftreten. Ebenso widerborstig wie der Mensch und Dichter ist sein Werk: Es als formal avanciert zu beschreiben wäre noch untertrieben. Für die KRACHKULTUR gewährt der Öko-Dandy Einblick in einen neuen, noch unfertigen Roman: »Mit Vollgas zurück zur Natur«.

Der Dichter Norbert Hummelt (*1962) lässt den Leser teilhaben an einer Reise nach Tuschetien. Die Auszüge aus dem »Georgischen Journal« zeichnen sanfte Bilder aus dieser historischen Region in Ost-Georgien mit ihrer gebirgigen Landschaft und ihren urwüchsigen Bewohnern.

Wenn von Natur die Rede ist, kann der Hinweis auf den berühmten »Natur«-Essay (1836) von Ralph Waldo Emerson (1803–1882) nicht ausbleiben. Keiner hat wie er die heilende Wirkung naturkontemplativer Erlebnisse in ästhetisch adäquate Worte übersetzt. In einem bislang nicht auf Deutsch erschienenen Essay-Entwurf »Über die Dichtung« erläutert der amerikanische Philosoph, »dass die Dichtung eine Kunst ist, die gegründet ist auf die Notwendigkeiten – und verbunden ist mit dem Wirken – der Natur«.

Mit dem Tiroler Robert Prosser (*1983) dürfte der kommende Shooting Star der deutschen Gegenwartsliteratur erstmals in KRACHKULTUR vertreten sein. Bevor im Herbst 2017 sein neuer Roman »Phantome« erscheint, gibt es hier zwei vor sprachexplosiver Kraft nur so strotzende naturlyrische Kostproben.

Einmal mehr: Zum Glück gibt es Österreich! Als Garant für das Fortbestehen aller Errungenschaften der literarischen Moderne kann man das Land nicht genug belobigen. Rosemarie Poiarkov (*1974), auf deren ersten Roman die Fans schon ewig gewartet haben, ist einer dieser vorzüglichen Beweise für die obige Behauptung. Der Auszug aus dem parallel erscheinenden Roman »Aussichten sind überschätzt« zeigt die Autorin als Nachfahrin von Heimito von Doderer (»strudlhofstiege«). Vor dem Hintergrund des eigentlichen Themas, der Atmosphäre der Stadt Wien, behauptet sich die bisweilen lästige Natur der Weiblichkeit.

Henning Ahrens (*1964), der schon sehr früh in KRACHKULTUR publiziert hat (siehe Nr. 7/1998), steuert zur Natur-Thematik vornehme und souveräne Land-Hass-Lyrik bei.

Ebenfalls eine KRACHKULTUR-Legende (siehe Nr. 6/1996) ist Arne Rautenberg (*1967): Seine »zwei naturgedichte« offenbaren in bewährter Manier den gekonnten Blick fürs poetische Detail.

Josef H. Reichholf (*1945) ist einer der bekanntesten Biologen des Landes. Seine »Eichhörnchensaga« bietet Gedanken über das spannungsreiche Verhältnis von roten und schwarzen Eichhörnchen gewohnt unterhaltsam dar.

Auch der einzige Lyriker, der bislang Buchpreisträger wurde (2015 in Leipzig), hat schon früh in der KRACHKULTUR gestanden (siehe auch Nr. 10/2004). Zwei lyrische Pflanzenstillleben hat Jan Wagner (*1971) der Zeitschrift diesmal überlassen.

Die künftigen Leistungsträger und Preiskandidaten im Schnelldurchlauf: Joseph Felix Ernst (*1989) ist mit einem Romanauszug vertreten: Die rohe Kraft und urige Wucht, die aus dem formal avancierten Textstück »Ungewiss die Stunde« spricht, lässt viel erwarten. Philip Krömer (*1988), dessen Kurzgeschichte »Vom Säen und vom Ernten« besondere Blüten treibt, überrascht auch sprachästhetisch. Der Held in »Die Geister in meiner Hütte« von Moritz Grohs (*1980) sucht Heilung von Liebeskummer und Alkoholsucht – und findet sie: in der Natur. Bei Jochen Veit (*1992), der mit der Kurzgeschichte »Apex« vertreten ist, verschafft die Natur sich in Blackwood’scher Manier gehörig Respekt. Bei Eliz Simon (*1961), die der Zeitschrift ihren Romanauszug »Das Böckchen« überlassen hat, ist die Natur ein Quell der Freude und der Herausforderungen. In Manuel Zerwas’ (*1987) Kurzgeschichte »Der Mond und die Krokodile« wiederum zeigt die Natur ihr unbezähmbares, mörderisches Gesicht.

Und das Cover stammt wieder mal vom international bekannten Designer Yanko Tsvetkov (*1976), dessen politisch unkorrekter »Atlas der Vorurteile« weiter unaufhaltsam Europa und die Welt erobert, aktuell durch Lizenzausgaben in Taiwan und China.

»KRACHKULTUR NR. 18/ 2017« ab jetzt erhältlich im Kunst- und Textwerk Buchladen!

 

KRACHKULTUR NR. 18 / 2017
Hrsg. v. Martin Brinkmann u. Alexander Behrmann
Beirat: Christophe Fricker
ISSN 0947-0697 / ISBN 978-3-931924-13-3
192 Seiten / 14 EUR
Neuer ET: 1. April 2017


Kategorien:Belletristik, Neuheiten, Sonstiges

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